Denkmalschutz bremst Brunnen-Pläne

Fränkische Nachrichten 2. April 2022

Mitgliederversammg 2021

 

Die in ihren Ämtern bestätigten Vorstandsmitglieder von links nach rechts: Thorsten Herzog, Prof. Hannsjörg Brombach, Dr. Carlheinz Gräter, Wolfram Klingert, Dr. Christoph Bittel, Karin Waldhäusl, Wolfgang Imhof und Dr. Klaus Mühlbach

 

 

Nachbericht zur Jahresmitgliederversammlung 2021

Üblicherweise treffen sich die Mitglieder des Bürgerforums "Stadtbild Bad Mergentheim" jedes Jahr zu ihrer Mitgliederversammlung. Nachdem sie letztes Jahr wegen der Pandemie nicht stattfinden konnte, blickte der Vorsitzende Wolfram Klingert in seinem Rechenschaftsbericht zurück bis zum November 2019.
Vorträge konnten in der Zwischenzeit keine stattfinden und nur während einer kurzen Lockerungsphase im September 2020 konnte eine Themenführung durchgeführt werden. Wolfgang Willig erläuterte bei dem Stadtspaziergang die Wappen der Hoch- und Deutschmeister.

 

Das Bürgerforum war dennoch nicht untätig. In den Fränkischen Nachrichten erschienen fünfzehn Folgen, in denen interessante Mergentheimer Hausfassaden vorgestellt wurden. Zehn Autorinnen und Autoren verfassten die mit Bildern illustrierten Beiträge. Ebenfalls viel Anklang findet die gegenwärtig von den Fränkischen Nachrichten veröffentlichte Serie Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen. Acht Autorinnen und Autoren stellen eine oder mehrere Figuren vor. Bisher sind siebzehn Artikel erschienen.
Viel Arbeit im "stillen Kämmerlein" steckt schon in dem neuen "Stadtblick". Das neue Heft, es wird mittlerweile die Nummer fünf sein, steht in seinen Grundzügen. Die Themenschwerpunkte werden Mergentheimer Mühlengeschichten, Mergentheim und der Wein und die oben erwähnten Mergentheimer Hausfassaden sein. Das Bürgerforum hofft, den neuen Stadtblick in den nächsten Monaten präsentieren zu können.
Über die überaus zufrieden stellenden finanziellen Verhältnisse gab Karin Waldhäusl in den Kassenberichten Auskunft. Die mit Abstand größte Summe gab der Verein für die Renovierung des Wirtshausauslegers "Goldenes Kreuz" aus. Die neu gefasste schmiedeeiserne Konstruktion samt dem im Medaillon dargestellten Deutschordenskreuz zeigt sich den Betrachtern am Haus Marktplatz 2 in neuem Glanz. Der Verein sah in der von ihm beauftragten Renovierung seinen Beitrag zum Jubiläumsjahr "800 Jahre Deutscher Orden in Bad Mergentheim".

 

Alle bisherigen Verantwortlichen stellten sich erneut zur Wahl. Ohne Gegenstimme wurden sie in ihren Ämtern bestätigt.

 

In dem abschließenden Meinungsaustausch wurden unter anderem Überlegungen angestellt, wie man vor allem junge Menschen zur Mitarbeit im Verein gewinnen kann.

 

Bad Mergentheim im November 2021

 

 

 

 

 

 

Umgestaltung Gänsmarkt

 

Der Gänsmarkt im Jahre 1906
Quelle: Haus der Geschichte Stuttgart, digitales Archiv

 

 

 

 

 

Auf dem Foto sieht man den Gänsmarkt im Jahre 1906. Der ganze Platz, bis in die einmünden Straßen hinein, ist gepflastert. Den Häuserzeilen sind Trottoirs vorgelagert. Ein paar Bäumchen in Pflanzkübeln dienen als Schmuck. Das Foto zeigt eindrücklich, wie wenig nötig ist um einen schönen Platz in einer alten Stadt zu gestalten. Außerdem bleiben uns schöne Plätze in erster Linie deshalb in Erinnerung, weil sie von ansehnlichen Häusern umgeben sind. In dieser Hinsicht hat der Gänsmarkt in den letzten Jahren stark gelitten. Ein Investor hat die historische Bebauung der Nordseite abgerissen und durch nichtssagende Neubauten ersetzt.

 

Das Bürgerforum Stadtbild plädiert nicht dafür, das beiliegende Foto als Blaupause für die geplante Neugestaltung zu übernehmen. Es ist jedoch der Meinung, dass das Gesicht und der Charakter des Platzes erhalten, beziehungsweise wiederhergestellt werden soll. Die Nord-Süd-Achse mit der Platzfolge Hans-Heinrich-Ehrler-Platz, Marktplatz, Gänsmarkt ist sehr markant im Stadtgrundriss. Von daher sollte der Gänsmarkt keine Sonderrolle einnehmen. Sein Erscheinungsbild sollte mit den beiden anderen Plätzen harmonieren.

 

Der Gänsmarkt reicht vom Spital bis zu den Neubauten an seiner Nordseite. Es ist vorgesehen, dass Autos an den beiden Enden den Platz passieren dürfen. Dafür sollten sie jedoch keine eigene markierte Spur bekommen, sondern sich dort zusammen mit Fußgängern und Fahrradfahrern gleichberechtigt bewegen. Ein positives Beispiel ist der Deutschordenplatz. Ein aus Sicht des Bürgerforums negatives Beispiel ist die Straße vor den Zwillingshäusern.

 

Der Kiliansbrunnen wurde 1890 neu gestaltet. Davor stand an gleicher Stelle der so genannte Spitalbrunnen. Eine alte Stadt gibt Orientierung. Sie sollte möglichst authentisch zukünftigen Generationen überliefert werden. Weshalb soll man ohne dringende Notwendigkeit die gebaute Stadtgeschichte verändern und den Brunnen versetzen?

 

Ein innerstädtischer historischer Platz soll zum Verweilen einladen. Dafür ist es nicht notwendig, ihn Aufsehen erregend zu möblieren. Desweiteren unterscheidet er sich grundsätzlich von einem Park und dessen Freizeitmöglichkeiten.

 

Die politisch Verantwortlichen sollten sich nach Meinung des Bürgerforums in Zurückhaltung üben und kein Spektakel auf dem Platz inszenieren. Es gilt, an die souveräne Ausstrahlung des alten Platzes anzuknüpfen. Manchmal erreicht man mehr, indem man weniger Geld ausgibt.

 

Aus unserer Schriftenreihe:

 

Der Stadtblick 4 hat 154 Seiten, Schutzgebühr 7,50€

Der Stadtblick 3 hat 118 Seiten, Schutzgebühr 7,50€

 

Im örtlichen Buchhandel

 

oder Bestellung an Wolfram.Klingert@t-online.de