Mit erneuertem Gewand zurück, Kleider machen Leute

 

 

 Eine leere Nische kleidete bisher den Eingang zum hübschen Eckhaus Kirchstraße – Holzapfelgasse in Bad Mergentheim. Es fehlte die zum reinen Baustil passende Marienfigur über dem Eingang.

 

 Die über 200 Jahre alte Auwera-Pieta wurde gerade in liebevoller Kleinarbeit restauriert und kehrt nun an ihren Stammplatz zurück. Der Restaurator Klaus Hub aus Künzelsau hatte die schwierige Arbeit an der unter Denkmalschutz stehenden Lindenholz-Pieta übernommen.

 

 Nichts durfte falsch übermalt oder überarbeitet werden, Farb- und Kunststoffschichten mussten vorsichtig entfernt werden, Defekte kunstvoll gekittet werden und neuer, schützender und passender Farbauftrag fachmännisch aufgetragen werden.  An den Gesichtszügen und der Körperhaltung der Figuren erkennt man die einfühlsame Betrachtungsweise des fränkischen Künstlers Auwera: Der Kopf ist regelrecht spielerisch nach rechts geneigt, die Augen sind halb geöffnet, liebliche Mund- und Gesichtszüge runden das Ganze ab. Die Kleidung wie auch das Lendentuch fallen in barocker Faltenbildung zwanglos die Körper verhüllend. Die frische Farbgebung nach der Restaurierung belebt das ganze Haus, die stilechte Barocktür und den weiten Platz davor.

 

 Über die gelungene Arbeit freuen sich die Besitzerin Frau Zipf, der Restaurator Herr Hub und die Abordnung des Bürgerforums Stadtbild Bad Mergentheim, das einen maßgeblichen Anteil der Restaurierungskosten übernommen hat.

 

 Vielleicht verweilt jetzt eher der eine wie der andere Vorbeihastende auf seinem Geschäftsgalopp durch die Kirchstraße, sei es auch nur, weil er einen neuen Farbklecks bemerkt hat.

 

 

 

Motto am Tag des offenen Denkmals "Macht und Pracht"

Das vergessene Erbe der Ordenszeit im Visier

 Das Bürgerforum Stadtbild Mergentheim veranstaltete zum Tag des offenen Denkmals  unter dem vorgegebenen Motto „Macht und Pracht“ einen großen Rundgang durch die Straßen Mergentheims. Demonstriert wurden hier vor allem die Macht und Pracht der ansehnlichen Bürgerhäuser aus der Zeit des Deutschen Ordens. Dr. Carlheinz Gräter führte in gewohnter Sachkunde und humorvoll die beinahe hundert Interessierten. Hier der Bericht über seinen umfangreichen und Wissen vermittelnden Vortrag:

 Dem Deutschen Orden rechtlich ganz oder teilweise verpflichtet waren am Ende des 19. Jahr- hunderts ca. 80 000 Untertanen in ca. 1500 Orten zwischen dem Thüringer Wald und dem Alpenvorland. 1788 gab es 96 Deutschordenritter und 71 Ordenspriester. Dem standen 250 (!) Beamte im territorial verzwickten Süddeutschland und seinen weit verzweigten Besitzungen  gegenüber! Das Mergentheim der damaligen Zeit mit seinen knapp 3000 Einwohnern war als Verwaltungsmetropole das Beamtenstädtchen par excellence.

 

Bei den früheren Autoren und Stadthistorikern Diehm und Raupp war hier gelegentlich von Patrizierhäusern die Rede. In Mergentheim gab es aber keine Patrizier oder Stadtadelige sondern nur ganz wenige wohlhabende Bürger. Die meisten hier hervorstechenden Bauherren waren Ordensbeamte. Nach dem Umschwung, der Neuorientierung 1809 zogen 72 höhere Ordensbeamte aus Mergentheim weg; ein Zeichen für die Zusammensetzung der Bürgerschaft. Deren in ihrem Stil und ihrer Ausführung beeindruckenden Häuser bekamen nun neue Besitzer und erlitten neue Schicksale.

 

 Das Haus Derr am Heinrich Ehrler Platz 27 wurde 1591 wohl vom Ordenskanzler Leonhard Kirchheimer erbaut. Der Historiker Raupp lobt hier das Maskenzierwerk, den Ausdruck der Schmuck- und Lebensfreude der Renaissancezeit, die im üppigen Portal im Innenhof, an den Gesimsen, Ornamenten  und Medaillons zum Ausdruck gebracht werden.

 

 Mit der Lebensfreude war es nach dem Tod des Kanzlers nicht mehr sehr weit her. Die Witwe wurde als Hexe verdächtigt, gefoltert, enteignet und 1626 mit dem Schwert hingerichtet. Denunziation war hier im Spiel. Besonders hervorgetan hat sich hier ein Stadtknecht Hartmann. Sein Blutgeld waren pro „Fall“ ca. 20 Batzen. In einem Vierteljahr konnte er für 29 so Verurteilte drei Dutzend Gulden kassieren. Die Ordenskasse wurde mit dem Vermögen der Hexen und Hexer in zwei Jahren mit ca. 3500 Gulden gefüllt.

 

 So etwas ist vom Wachhaus am Igersheimer Tor, Kapuzinerstraße 14 nicht bekannt. In diesem repräsentativen Bau wohnte zum Ende des 18. Jahrhunderts der Hofkammerdirektor Franz Leopold Müßig, der sich als Finanzgenie hervortat und dem die Ballei Franken für ihre Entwicklung viel zu danken hatte.

 

 Der Deutschordensplatz wird neben dem Schloß vor allem vom Haus Nr.1 dominiert. Trotz der 1927 hier angebrachten Tafel zur Erinnerung an Beethoven hat dieser hier nie gewohnt und wohl auch nicht Klavier gespielt obwohl sich doch im Obergeschoss nach mehreren Umbauten ein großer Saal mit floralem Stuck befindet. Das Haus erlebte mehrere Besitzwechsel, Verwalter und auch Ordenskanzler.

 

 In direkter Nachbarschaft, dem Schloss zugewandt, befindet sich das Johanniterhaus, das Ordenseigentum war und als Beamtenwohnung diente. 1799 erwarb es ein Hofrat Georg Anton Handel, dessen Vater und auch der Enkel Paul Anton Ordensarchivare waren. Zum Ende der Ordenszeit ging das Haus in bürgerliche Hände über.

 

 Mehr gibt es über die nebenstehende Münze zu berichten. Schon 1355 hatte der Orden das Münzrecht erhalten. Seit 1534 ist hier der Standort gesichert. 1687 verkaufte der Orden das Anwesen an den Vizekanzler von Mayerhofen. Später, 1810, wohnte hier der Württembergische Stadtkommandant Guestard und dann lange die Familie des Kriegsrats von Rummel bis 1880. Für uns heute bemerkenswert die stilvolle Außentreppe, das Mayerhoferwappen mit Sinnsprüchen und der tiefe Gewölbekeller.

 

 „Um die Ecke herum“, Nonnengasse 5 stand das jetzt neuerbaute Breuninghaus. Als Relikt des ehemaligen Baus ziert heute noch die Madonna den Neubau. Hier wohnte eine klassische Ordens- Beamtensippe vom geheimen Referendar im Kabinett bis zum Ordenskanzler über mehrere Generationen reichend. Ein Emanuel Joseph war mit 20 Jahren schon Hofrat am kurfürstlichen Hof in Bonn. Über ihn entwickelte sich die später bemerkenswerte Verbindung Breunig-Beethoven. Die Witwe des früh verstorbenen Emanuel engagierte Beethoven als Klavierlehrer für ihre beiden Kinder. Sie war für ihn wie eine zweite Mutter. Beethoven gehörte zur Familie, erhielt dort gesellschaftlichen und literarischen Schliff, wohnte 1791 nicht bei der Witwe hatte aber sicher dort gespielt.

 

 Unsere Stadtarchivare Dr. Meiner und Christine Schmidt haben anhand der Quartierlisten fürs Generalkapitel herausgefunden, dass Beethoven für ein Vierteljahr in der Härterichstrasse 7 beim Kanzlisten und Geometer Jakob Peter Kirchmayer Logis hatte.

 

 Im Pfarrgang 2 trifft man auf den vom gebürtigen Wiener Franz Joseph Roth erbauten Rokokobau. Die Wucht und der Ernst des spätbarocken Ausdrucks wird hier in eine zarte, beschwingte Heiterkeit verwandelt (Emil Raupp) und am Portal von einem Spiel phantastischer Dekorationsformen umgeben von einer Madonnenfigur bekrönt. Im Inneren findet man heute noch erlesene Stuckdecken. Hier residierte sechs Jahrzehnte im Ordensdienst Joseph Michael Tautphoeus, der 1792 hier starb. Dieses Haus beherbergte auch ab 1774 die Hochfürstliche Privilegierte Hofbuchdruckerei des Deutschen Ordens, die spätere Tauber-Zeitung.

 

 Der für Mergentheim segensreiche Baumeister Franz Joseph Roth errichtete auch das Haus Burgstrasse 5 nachdem er die hier ererbte Fuchsschänke und das Nachbarhaus abgebrochen hatte. Er war neben seiner Tätigkeit als Ordensbaumeister zugleich Gastwirt und Posthalter. Er beschreibt sein beispielhaftes, streng symmetrisches Gebäude so: Der Mittelteil mit seinem rundbogigen Einfahrtstor ist durch kapitellbesetzte Pilaster abgesetzt und durch die Putzdekoration seiner Fensterrahmen gegenüber den Seitenteilen betont. Durch Ecklinsen fest gefasst, zeichnet sich das mächtige Gebäude durch die vornehme Würde seiner Erscheinung aus.

 

 Auch das Haus Burgstrasse 15 ist von Roth 1731 erbaut worden, also 10 Jahre später als die Burgstrasse 5. Der Besitzer war der Ordensarchivar Polzer. Während des Generalkapitels 1791 logierte hier Graf Ernst Ferdinand von Waldstein aus der Familie des böhmischen Generalissimus Wallenstein. Er machte sich um die Ballei Franken verdient, scheiterte an seinem brennenden Ehrgeiz und finanziellen Spekulationen, verließ den Orden nach einem Zerwürfnis mit 10 000 Gulden Schulden und starb in völliger Armut. Die an der Hausfront dargestellte Krone weist auf einen späteren Hausbesitzer hin, einen Prinz von Hohenlohe, der sich nach unschicklicher Heirat nach Mergentheim zurückgezogen hatte.

 

 Neben dem alten Rathaus, quasi als Gegengewicht hierzu fallen die 1780 errichteten „Zwillinghäuser“ auf. Drei kleinere Häuser mussten diesen frühklassizistischen Bauten weichen. Der Prager Architekt Jakob Hallierscheck leitete dies, die Bauherren und Besitzer waren der Kaufmann Kaspar Röser (westlich) und der Knopfmacher Peter Behr (östlich). Schon 1537 bezeugt, befand sich hier die älteste Mergentheimer Hofapotheke. In einem Fachwerkhaus gegenüber eröffnete 1680 die Konkurrenz, was die Besitzer veranlasste, sie wieder aufzugeben. Erst 1856 zog hier erneut eine Apotheke ein, die bis heute geblieben ist. Am daneben liegenden „Zwilling“ befindet sich die Jahreszahl 1803 mit einem hübschen, kleinen Ordenswappen, das an den Umbau des Hof- und Stadtarzt Justin Röser, den Enkel des Erbauers erinnert. Dieser Röser war Leibchirurg des HM Max Franz und heiratete Elisabeth Bona, die zum Freundeskreis der Familie Breunig erst in Bonn und dann in Mergentheim gehörte. Diese Elisabeth – soll – nach hiesiger Legende Erste Liebe Beethovens gewesen sein.

 

 An dem Haus Mühlwehrstrasse 18, 1735 von Franz Joseph Roth erbaut, „intim, gediegen, gut proportioniert“ und Haus eines Ordensbeamten vorbei gelangt man zum sogenannten Ritterhaus. Von wem und wann dieses mächtige Gebäude (wohl Ende des 16. Jahrhunderts) errichtet wurde, ist unbekannt. Raupp beschreibt, dass die Fassade bewusst mit den Architekturgliedern, Pilaster und Gesimse gestaltet wurde. So wurde eine perspektivische Wirkung durch Häufung architektonischer Zierformen erzielt. Der Ordensarchivar Franz Handel besaß dieses Haus bis 1784. Bis in die fünfziger Jahre war hier ein Knabeninternat der Herz Jesu Brüder, des späteren Combeni-Ordens, eines Mission-Ordens untergebracht.

 

 In ganz andere Richtung zum Marktplatz hin schließt sich der Kreis. Im Haus Straußen vermutet man einen der mittelalterlichen Wohntürme des Mergentheimer Ortsadels. 1557 entstand der Fachwerkbau mit den beiden silbernen Fischen am Giebel. Um 1750  gehörte es dem Ordenskanzler Joseph Schroth und wurde schon zur Ordenszeit (um 1800) zum Gasthaus umgewidmet.

 

 Der links daneben stehende Bau, Marktplatz 12, das Bauersche Haus, in spätem Renaissancestil 1593 erbaut, erscheint nach Raupp in abgeklärter Endform, fertiger Ausdrucksform dieser Kunstepoche. Die glatte Fassade, die einfache Gesimsgliederung, die ausgewogene Fensterteilung strahlt eine wohltuende Ruhe aus. Die Witwe Tautphoeus (Bauherr Pfarrgang 2) hat das Anwesen an den Deutschen Orden verkauft, der es der Stadt dann zeitweilig als Schulhaus überließ.

 

 Davor stehend nach links fortgesetzt befindet sich das Haus Bierhals. Erstaunlicher Weise wird es in den Ortsbeschreibungen von Raupp nicht erwähnt. Angeblich soll es ein mittelalterlicher Freihof gewesen sein. Ein mächtiger Gewölbekeller bezeugt die vergangene Größe. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wohnte hier der Ordenskanzler Sebastian Roth, der 1673 starb und in der Annakapelle des Münsters begraben ist. Launig steht unter anderem auf seiner Grabinschrift: „…Was ich jetzt bin, zeigt dir unter dem Stein hier die Gruft. Nichts als das Grab blieb mir in all den Ehren und Gütern und Mühen… In des Himmels Kanzlei will ich nun dienen meinem Gott“.

 

 Hier endete der Rundgang mit Dr. Carlheinz Gräter durch „Macht und Pracht“ in Mergentheim und die vielen Zuhörer (eine wahre „Völkerwanderung“,Gräter) machten noch in teils kleinen Gruppen und bei schönem Wetter mit neuem Wissen einen Stadtspaziergang.

 

 

 

 

 

 

Jahresausflug 2017 nach Grünsfeld

Ziel des Jahresausflugs war diesmal Grünsfeld. Bürgermeister Markert begrüßte die Teilnehmer im historischen Rathaus und stellte bei einem Glas Wein seine Gemeinde vor: fast 3700 Einwohner, Arbeitsplätze und Nahversorgung am Ort, kaum Leerstände.
Anschließend führte Altbürgermeister Beetz die Besucher durch die Stadt. Beetz ist gebürtiger Grünsfelder, Architekt, bildete als Lehrer für Bauberufe in Würzburg auch Restauratoren aus, bevor er 1985 Bürgermeister wurde. In seiner 28jährigen Amtszeit setzte er sich für die Erhaltung des Stadtbilds ein. Die Zehntscheune wird nun für Hochzeitsfeiern und Vorträge genutzt, davor entstand ein Platz mit einem bis auf das Niveau des Wittigbachs freigelegten Brunnen. Das alte Amtshaus, 1988 im Zuge eines Rettungskaufs aus Privatbesitz erworben, beherbergt ein Museum für religiöse Volkskunst. An der in Teilen erhaltenen Stadtmauer wurde im Rahmen des EU-Leaderprogramms eine pädagogische Steinmetzwerkstatt errichtet. Die Steinbearbeitung hat lange Tradition, der im Ortsteil Krensheim abgebaute Muschelkalk fand Verwendung am Reichstag und am Olympiastadion in Berlin.
Beetz zeigte auch Beispiele, bei denen nicht mehr nutzbare Gebäude, beispielsweise wegen zu geringer Stockwerkshöhe, durch maßstäbliche, die Straßenkante aufnehmende Neubauten mit zeitgemäßen Formen ersetzt wurden.
Der Turm der katholischen Pfarrkirche ist mit 75 Metern nach dem Freiburger Münster einer der höchsten Kirchtürme im Erzbistum Freiburg. Innen befindet sich die von Riemenschneider gefertigte Grabplatte der Dorothea von Rieneck.
Vor dem Friedhof erinnert ein Gedenkstein an die im Oktober 1940 deportierten jüdischen Gemeindemitglieder. Auf dem Friedhof sind prachtvolle alte Grabmale erhalten.
Die letzte Station des Ausflugs galt der gerade sanierten Achatiuskapelle in Grünsfeldhausen. Der Oktogonbau stammt aus dem 12. Jahrhundert. Im Lauf der Jahrhunderte, so Geologen, hatten vier Millionen Kubikmeter Schwemmgut das Grünbachtal mit der Kapelle aufgefüllt. Nach ihrer Ausgrabung und Errichtung der Ringmauer 1903 steht die Kapelle heute in einer Senke.
Mit dem Eindruck, in Grünsfeld gelungene Beiträge zur Erhaltung des Stadtbilds gesehen zu haben, verabschiedeten sich die Besucher am Nachmittag.

 


 

 

 

2017 weiterhin so aktiv wie 2016 (s.u.):

12. März 2016 Stadtspaziergang 

Quartier Süd Ost

23. April 2016 Stadtspaziergang 

Quartier Nord Ost

13. Mai 2016 Vortrag

Bocksprünge um den Bocksbeutel zwischen Rhein Main und Tauber

11. Juni 2016 Vortrag

Architektur der Erholung

27. Oktober 2016 Jahresmitgliederversammlung

Forum in der Au


Von ehemals 27 Gründungsmitgliedern im Jahr 2010 auf heute 136 Personen

Zur jetzt schon sechsten Jahresmitgliederversammlung lud der noch junge Verein „Bürgerforum Stadtbild Bad Mergentheim“ ein. Der erste Vorstand Wolfram Klingert berichtete den zahlreich erschienen Zuhörern im Rahmen eines Rechenschaftsberichtes über die vielen Vereinsaktivitäten im zurück liegenden Jahr und die auf die Heimattage abgestimmten, sehr informativen „Stadtspaziergänge“, die von einem großen Teil der Mitbürger rege angenommen wurden.

 

Mit gewissem Stolz blickten die anwesenden Mitglieder auf die weiteren Aufzählungen in diesem Rahmen zurück: Herr Gräter hielt einen interessanten und auch lehrreichen Vortrag über den Bocksbeutel, Herr Eckert berichtete anschaulich über die Rettung und erstaunliche Restaurierung eines zum Abriss bestimmten, historischen Gebäudes im Zentrum von Vellberg, an der er großen Anteil hatte, ausgedehnte Jahresexkursionen nach Iphofen und Künzelsau lieferten Anschauungen und Argumente für die hiesige Vereinsarbeit, die fortgeführte, erfolgreiche Spendenkampagne zur Restaurierung und Wiederaufstellung der Madonna vom Anwesen Riegler aus der Krummen Gasse erbrachte bisher den stattlichen Betrag von 3340 €, über das „Bad Mergentheimer Grün“ als Jahresthema wurden 22 Artikel für die Fränkischen Nachrichten verfasst und sollen später auch im Stadtblick IV veröffentlicht werden, ein reger Meinungsaustausch der Vereinsmitglieder mit Stadtbaudirektor Straub und Herrn Wolfmeyer fand im ehemaligen Dominikanerkloster statt, die redaktionelle und aufwändige Bearbeitung und Herausgabe des Stadtblick III mit über 100 Seiten reich bebildertem Umfang erfolgte pünktlich, am Stadtblick IV eine weiterhin kritische und informative broschierte Berichterstattung aus dem Vereinsleben mit seinen Aktivitäten und Stellungnahmen zu interessanten Detailinformationen aus Bad Mergentheim wird schon gearbeitet. Das nächste Jahresmotto hierfür werden ca. 24 Beiträge sein, die das Bad Mergentheimer Wasser in unterschiedlichster Darstellung betreffen

 

Wen wundert es da noch, dass nach weiteren Berichten, besonders aber dem der gewissenhaften Kassenwartin Frau Karin Waldhäusl auf Antrag von Frau Deeg volle Entlastung des Vorstandes von den Mitgliedern ausgesprochen wurde. Nach entsprechender Aussprache fand die anschließende Neuwahl des Vorstandes, der Kassenprüfer und der Beisitzer statt. Sämtliche Funktionäre der Vorjahre wurden wieder gewählt. Frau S. Götzelmann trat aus persönlichen Gründen als zweite Vorsitzende nicht mehr an. Sie wird aber weiterhin als Beirätin tätig sein.

 

Geleitet mit der humorvollen Laudatio von Herrn Dr. Carlheinz Gräter wurde Herr Günther Deeg einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. Hiermit werden seine unermütlichen Aktivitäten um die Erhaltung, Erkennung, Veröffentlichung und Portraitierung Bad Mergentheimer Belange gewürdigt.

 

Ein sehenswerter historischer Film der Mergentheimer Sternsinger vor 62 Jahren erfreute abschließend die anwesenden zahlreichen Vereinsmitglieder und Gäste. Die hier zu sehenden alten Gebäude und einige der damaligen Sänger wurden mit Rührung wiedererkannt. Ein abschließendes gemütliches Beisammensein bei Wein und Gebäck, organisiert von Frau  S. Götzelmann, mit regen persönlichen Gesprächen untereinander beendete diesen ereignisreichen Abend.

 

Info: An jedem dritten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr treffen sich die aktiven Vereinsmitglieder im ehemaligen Dominikanerkloster.

 

Herr Deeg wird Ehrenmitglied

 

 

Laudatio auf Herrn Deeg gehalten von Dr. Carlheinz Gräter 

 

Lieber Herr Deeg,

man hat mich dazu verdonnert, Ihnen als neuem Ehrenmitglied des Bürgerforums Stadtbild eine kleine Laudatio zu halten. Nun bin ich weder Architekt noch Bauhistoriker und kenne wegen jahrzehntelanger Absenz nicht, was Sie in Ihrem langen Leben alles gebaut haben.

Ich erinnere mich jedoch, dass Sie an den Umbauarbeiten des Hänserhofes wie des Museumsschlosses maßgeblich beteiligt waren, und dass sie auch bei der Schilder-Aktion für historisch bedeutsame Bauwerke in und um Mergentheim mitgemischt haben.

Bei diesen Bestandsaufnahmen und Planungen haben sich für Sie offenbar neue Erkenntnisse ergeben, aber auch Fragen, ja Zweifel aufgetan, was die tradierte Literatur über Stadt und

Schloss zusammengetragen hat und über Generationen nachgeschrieben und nachgebetet worden ist.

Das ließ Ihnen offenbar keine Ruh’. Sie machten sich dran und haben schließlich anno 2006, ich war da noch in Würzburg, Ihre schmale, aber bedeutungsschwere Broschüre ,,Lebenslinien einer Stadt im Wandel. Bad Mergentheim vom Ursprung zur geplanten Ordensstadt“ veröffentlicht. Gewidmet haben Sie diese Arbeit Ihrer Frau Heidi Deeg.

 Lieber Herr Deeg, mit dieser komprimierten Studie haben Sie —über Johannes Zeller, Emil Raupp und Bernhard Klebes hinaus - in wesentlichen Aspekten uns allen, auch dem Gräter, den Star gestochen, ob grau oder gar grün.

 Sie haben sich nicht nur Stadtpläne und geologische Kartenblätter vorgenommen, nicht nur die einschlägige Literatur kritisch durchgeackert - Sie haben sich, unternehmungslustig wie ein Jungspund und mit bewährter Zähigkeit sowohl im Ordensschloss wie in den Winkeln und Gewölbekellern der Altstadt bis hinaus zu den Baugruben umgetan und sind so zu wahrhaft grundlegenden Einsichten gelangt.

Und als Mann vom Bau haben Sie dabei auch bedacht, ich zitiere: ,,Nicht zuletzt waren auch die zeitlose Logik von Planungsprozessen und pragmatischen Handlungsweisen für

 Schlussfolgerungen hilfreich“. Das klingt bescheiden, hat es aber in sich. Solche Maßstäbe fehlen halt einem Literaten.

 Was mir als blankem Laien eingeleuchtet hat bei meiner späten Lektüre, muss bei allen künftigen stadtgeschichtlichen Arbeiten einbezogen werden. Eine Handvoll markanter Exempel darf hier genügen:

I Die Rekonstruktion der frühmittelalterlichen Marktszene samt Bollwerk.

II Die ersten städtischen Strukturen vor 1219 samt ihren sozialen Folgerungen.

III Der begründete Zweifel an einer frühen W a s s e r burg derer von Hohenlohe, die schon gewaltige Wasserbaumaßnahmen erfordert hätte, wie sie erst der Deutsche Orden anpacken

konnte.

IV Die veränderten Straßenführungen beim Ausbau der gotischen Ordensstadt.

V Schließlich, was Sie mir schon vor Jahren gesteckt hatten: Der so einladend axial zur Burgstraße ausgerichtete Bläserturm ist nie ein Torturm gewesen.

Das alles und noch viel, viel mehr haben Sie in anschaulicher Sprache, begleitet von Bildern, Grundrissen, Profilschnitten und Rekonstruktionen sowie vielen Berechnungen meisterlich dargestellt. Dafür allein schon gebührt Ihnen Respekt und Dank der Öffentlichkeit.

 Nur erwähnen kann ich hier Ihre gründlichen Beiträge für den „Stadtblick“ über die Mergentheimer Stadterweiterung im 19. und 20. Jahrhundert sowie die Porträts der wichtigen Baumeister und Architekten. Dazu kommen Initiativen wie Apfel und Zitrone oder die neue Bleibe für die Riegelsche Madonna in der aufgebrochenen Krummen Gasse.

Nur andeuten kann ich schließlich Ihre Versuche, Planungslinien, Sichtachsen, Alignements im Stadtbild wie in der fränkischen Kulturlandschaft aufzuspüren. Mein Freund Günther Flierl wäre da der richtige Mann.

Bis hinein ins 19. Jahrhundert war die Bezeichnung Vaterland für die Vaterstadt gebräuchlich. Als Lorenz Fries in seiner Geschichte  des Bauernkriegs den Aufruhr in Mergentheim

erwähnte, fügte er wehmütig hinzu – Welchs mein Vaterland ist. Und der barocke Kirchenmaler Matthäus Zehender schrieb seinem Bruder, es sei ihm niemals so widerwärtig ergangen wie in seinem Vaterland, eben der Vaterstadt Mergentheim.

Lieber Herr Deeg, Sie haben sich nicht nur um unser Bürgerforum Stadtbild, Sie haben sich auch um unser Vaterland Mergentheim verdient gemacht.  

 



Stadtrundgang

Stadtführung im ältesten Teil Bad Mergentheims

 

Im Rahmen der Heimattage BW veranstaltete das Bürgerforum Stadtbild seinen ersten von vier geplanten historischen Rundgängen durch ein Altstadtrevier.

Entlang den sich kreuzenden Achsen Oberer-Unterer-Markt und Burgstraße-Mühlwehrstraße lässt sich das Stadtbild in vier Quartiere aufteilen. Dies kommt nicht von ungefähr, waren diese Achsen doch schon von uralten, wahrscheinlich auch vorchristlichen Handelsstraßen vorgegeben. Der nachweislich älteste Bereich Mergentheims betrifft somit das Quartier Süd-Ost , den Teil des heutigen Gebiets zwischen Schloss und Hans-Heinrich-Ehrler-Platz.

Unter Leitung des Vereinsvorsitzenden Wolfram Klingert und unter Mithilfe von Karin Waldhäusl, Carl-Heinz Gräter, Günter Deeg und Wolfgang Imhof führte der Weg teils beengt  in den Gassen auf Grund der große Teilnehmerzahl an Gebäuden vorbei, die man im Alltag so nie beachtet hatte. Auf der Grundlage der Ortsanalyse von 2012 und mit interessanten Details und humorvollen Randgeschichten angereichert wurde auf ausgesuchte Gebäude und Plätze hingewiesen. Ihre historische Wertigkeit war oft nach stattgefundenen Abrissarbeiten, Umbauten oder modernem Verputz erst mit Hilfe der Vortragenden erkennbar. So erinnerte sich manch einer der vielen Teilnehmer hierbei an alte Gegebenheiten, Zustände und Gassenverläufe. Mit demonstrierten alten Malereien, Stichen, Straßen- und Bebauungsplänen wurde Vieles aus der historischen Versenkung gehoben.

Wer denkt heute noch an eine entlang der Burgstraße über die Mühlwehrstraße verlaufende alte Handelsstraße, die zwischen der damaligen Burg ( heute zentrales Schloss ) und den sich südlich anschließenden Häusern einer befestigten Marktsiedlung, unserem begangenem Quartier verlief. Nur noch in Fundamenten versteckte Stadtmauern und Turmrelikte deuten auf deren Bedeutung und Kontrollfunktion hin. Sie reichen zum Teil noch in alemannische und fränkische Zeit zurück, also bis ca. 500 n. Chr.

Die Schwierigkeiten und der Aufwand zum Erhalt der jetzt noch erkennbaren mittelalterlichen Häuser ( sog. § 2 Häuser) wurde mehrfach an Gebäuden wie das Brünnersche Haus, die jetzt als Forum und Archiv benutzten Gebäude, vereinzelte Bauten in der Krummen Gasse wie auch das sogenannte Doktorhaus im Krammetsgäßchen und weitere am südlichen Rand der  Burgstraße hin deutlich dargestellt. Von der Burg, dem heutigen zentralen Schloss wurde heute noch erkennbar im Laufe der Zeit immer mehr das Bodenniveau um jetzt ca. einen halben Meter allseits bis zum Dominikanerkloster reichend aufgeschüttet. Hier hindurch führt die heute fast traurig und wie ein Sanierungsgebiet wirkende Krumme Gasse, die schon bedeutendere Zeiten erlebt hat. Nach Gemälden und auch Aufzeichnungen des Herrn Aschfalk aus dem 19. Jahrhundert beherbergte diese lange Straße eine Vielzahl aller möglichen Geschäfte, Handwerker und Händler. Als Beispiele ohne  Anspruch auf Vollständigkeit seien hier genannt: Mineralwassergeschäft, Kaminfeger, mehrere Wirtschaften, Brauereien, Weinhandlungen, Wäschereien, Gold- und Schmuckarbeiter, Habammen, Doktores, Schreinereien, Flaschner, Drechsler, Fischnetzstickerei, Drogerie, Tanzlehrer und, und. Alle zusammen sind 59 Betriebe aufgezählt. Heute würde man eine solch belebte und quirlige Straße wohl „Mall“ nennen, damals war dies nur eine „Gasse“.

 

Dass dies an diesem Nachmittag rundum und letztlich eine gelungene Unternehmung des Bürgerforums Stadtbild war, zeigten nicht nur die zufriedenen Gesichter der Teilnehmer und Veranstalter, sondern auch die Minen des Herrn Brunotte , der in Vertretung des Herrn Oberbürgermeisters daran teilgenommen hatte