Die Restaurierung der Fassade des ehemaligen Gasthauses "Zum Straußen"

Text: Ulrich Laue

Auf dem Inschriftenstein am Haus Marktplatz 10 steht die Jahreszahl 1557. Wahrscheinlich wurde das Sichtfachwerk, im Stil der Renaissance, einige Jahrzehnte später abgezimmert. Die Absicht der Volksbank einen Neubau am Mergentheimer Marktplatz zu errichten, stellte das Amt für Denkmalpflege und das planende Architekturbüro vor sehr schwierige Entscheidungen. Letztlich wurde das Gebäude gänzlich abgebrochen. Ein Dokument historischer handwerklicher Zimmermannskunst war somit verloren, jedoch nicht vollständig.

 

Der Giebel zum Marktplatz wurde von dem Zimmergeschäft Müller mit dem tüchtigen Polier Hartfuß und seinen Gesellen behutsam abgebaut. Es wurde dokumentiert, an welcher Position sie sich die Hölzer befanden. Dann wurden sie sicher eingelagert. Später wurde die Fassade fast ohne Ersatz aus den alten Hölzern wieder errichtet. Das alte Eichenholz war in tadellosem Zustand. Bei genauem Betrachten wird erkennbar, dass kunstvolle Profile an den Schwellen und Pfosten geschädigt sind, weil das Bauwerk im Barock einen Verputz bekommen hatte. Ein weiteres Indiz dafür, dass das Gebäude verputzt war sind die nachgeahmten Fenstergewände, wie sie noch heute vorhanden sind. Sie passen mit ihrer barocken Form nicht in die Renaissance Fassade.

 

Als zur Barockzeit das Fachwerk überputzt wurde, galt ein Steinhaus als wertvoller. Das Fachwerk wurde gering geschätzt. Feuerschutz war auch ein Grund, das Fachwerk zu verputzen. Auf Marktplatzfotos aus dem ersten Viertel des 20.Jahrhunderts ist der Straußen noch verputzt. Kurze Zeit später erkennt man, wie auch bei vielen anderen Häusern das Fachwerk.

 

Die Volksbank zog am 5. Dezember 1977 in das Marktplatzhaus ein. Über den Denkmalwert der Giebelfassade lässt sich streiten, weil sie eben nur Kulisse ist, hinter der sich ein modernes Gebäude verbirgt. Nun ist wenigstens die Geschlossenheit des Marktplatzes erhalten, wenn auch der steinerne Sockel nicht dem Ursprung entspricht. Immerhin konnte ein Teil aus der 400-jährigen Geschichte großartiger Baukunst sichtbar bleiben.

 

Was aber beachtet werden muss ist, die Ablesbarkeit der Geschichte nicht durch unbedachte Restaurierungen gestört werden darf. Das ehrwürdige alte Eichenholz, das Jahrhunderte ohne Schäden überstanden hat, muss in seiner Struktur sichtbar bleiben.

 

Bild 1: Während der Bauzeit 1975 ist das frühere Gasthaus zum Straußen vollständig abgebrochen. Der Blick vom rückwärtigen Bereich auf den Marktplatz ist frei.
Bild: Ulrich Laue

 

Bild 2: Photogrammetrie des Landesdenkmalamtes. Die Fachwerkfassade konnte auf Grund der genauen Vordokumentation rekonstruiert werden.


 

 

 

 

 

Wirtshausausleger      „Zum Goldenen Kreuz“

 

In diesen Tagen wird der alte schmiedeeiserne Ausleger der ehemaligen Gastwirtschaft „Zum Goldenen Kreuz“ vom Eckgebäude Marktplatz 2 nach sorgfältiger Erneuerung in der Restaurierungswerkstatt Norbert Eckert wieder an seinem Stammplatz in luftiger Höhe angebracht. Die Werbeanlage von antiquarischem Wert erinnert an die lange Tradition des Gebäudes als Gastronomiebetrieb von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis kurz vor Weihnachten 1976 – unter dem Zeichen des „Fuchses“, des „Goldenen Kreuzes“ und des „Bayerischen Hofs“.

 

 

 

Noch 1753 ist das Eckhaus, das sich der Länge nach in die Mühlwehrstraße hinein erstreckt, im städtischen „Lagerbuch“ als privates Wohnhaus von Anton Riegel eingetragen. Spätestens 1786 war es in den Händen von Martin Fazel, der die Übertragung der zuerst auf dem Haus Deutschordensplatz 1 und dann auf der Burgstraße 5 ruhenden Schildgerechtigkeit „Zum Fuchsen“ auf dieses Gebäude erreichte. Nachfolger Mathes Liebler erhielt laut Protokoll des Stadtgerichts (Vorgänger des Stadtrats) vom 7. September 1804 die Erlaubnis, „seinen Schild zum Fuchsen in jenen zum goldenen Kreuz umändern zu dürfen, unter der Bedingnis jedoch, daß er keinen Schild aushänge, sondern statt dessen eine das Wirthszeichen zum goldenen Kreuz vorstellende Tafel an der vordern und Neben Seite seines Hauses ausstelle“.

 

 

 

Bei den Hinweistafeln an den Hausfassaden blieb es dann bis wenigstens 1819, wie eine damals entstandene Nordansicht des Marktplatzes von der Hand des Landschaftsmalers Georg Joseph Gisser im Deutschordensmuseum zeigt (Bild). Der schmiedeeiserne Wirtshausausleger mit dem Kreuz, der stilistisch in die 1820er oder 1830er Jahre passt, dürfte noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der jahrzehntelang hier tätigen Wirtsfamilie Friedrich Kistner am Hauseck angebracht worden sein. Auf einer Fotoansicht des nördlichen Marktplatzes, 1885 vom Hoffotografen Ludwig Holl aufgenommen, ist er jedenfalls zu sehen.

 

 

 

Von 1890 bis 1919 gaben sich, wie der im Stadtarchiv überlieferten Konzessionsakte zu entnehmen ist, die Pächter der Kreuzwirtschaft nach jeweils kurzer Zeit die Klinke in die Hand. Die „dingliche Gastwirtschaft“ verfügte zwar über 4 bis 6 „Fremdenzimmer“, jedoch über keine – damals wichtige – Stallung zur Unterbringung von Gästepferden. Etwa ein Jahrzehnt diente das Eckgebäude als evangelisches Vereins(gast)haus bzw. „Christliches Hospiz“, wobei das Verhältnis zwischen dem beteiligten „Süddeutschen ev. Jünglingsbund“ und der Kirchengemeinde „nicht immer zufriedenstellend gewesen zu sein“ scheint, wie Pfarrer Dr. Heinz Goldammer später im Rückblick schreibt.

 

 

 

Nach dem Kauf des dreigeschossigen Hauses durch die Gebrüder Eugen und Ludwig Friesinger, der eine Architekt, der andere Bildhauer, erfolgte eine weitgehende bauliche Umgestaltung, die seitdem vor allem im Parterre das äußere Erscheinungsbild des Marktplatzes 2 durch die Eckpassage und größere Fenster prägt. Pächter Julius Reichert warb im Mai 1929 in den höchsten Tönen für Würzburger Hofbräu-Biere, für Weine, Kaffee, Speisen und für zehn Fremdenzimmer in seinem nunmehr als „Bayerischer Hof“ firmierenden Betrieb. Während des Zweiten Weltkrieges war der Gasthof zeitweilig geschlossen und nach Kriegsende bis April 1948 von der US-Besatzungsbehörde beschlagnahmt.

 

 

 

Vor der Betriebsübergabe an die neue Pächterin Marta Bärenstecher ließ die Eigentümerfamilie Schmitt-Friesinger im Winterhalbjahr 1956/57 für das ganze Haus eine Zentralheizung einbauen und alle Zimmer an fließendes Wasser anschließen. Leuchtschriften warben nun an den Außenfassaden für die in der neuen dreigeteilten Gaststätte „Bierstüble“ erhältlichen „Deutschherren Biere“ und das Münchner „Löwenbräu“. Letzter Hotelpächter des „Bayerischen Hofs“ mit 16 Fremdenzimmern war ab 1967 Lothar Siebold, zuvor Pächter des im Vorjahr abgebrochenen Hotels „Hirsch“ (Burgstraße 2, heute Kaufhaus). Nach weiteren Umbauten diente das Erdgeschoss des Marktplatzes 2 ab Juni 1977 als Bankfiliale, seit Anfang 1997 ist hier ein Juweliergeschäft zu finden. Der prächtige Wirtshausausleger „Zum Goldenen Kreuz“, dank des „Bürgerforums Stadtbild“ nun wieder am alten Platz in neuem Glanz erstrahlend, wird wie eh und je die Blicke der Einheimischen und Touristen auf sich ziehen.

 

Dr. Christoph Bittel

 

 

 

 

 

1819 warb das Gasthaus „Zum Goldenen Kreuz“ noch mit einer Tafel an der Fassade um Gäste, wie die Gouache des Malers J. G. Gisser (Ausschnitt) im Deutschordensmuseum zeigt. Foto: Yvonne Mühleis

 

Im örtlichen Buchhandel

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Der Stadtblick 4 hat 154 Seiten, Schutzgebühr 7,50€

Der Stadtblick 3 hat 118 Seiten, Schutzgebühr 7,50€

 

 

Beitrag des Bürgerforums zum 800-jährigen Jubiläum der Ordensniederlassung Mergentheim

v.l.n.r. Heidi Deeg, Wolfram Klingert, Norbert Eckert und Dr. Christoph Bittel

Frau Heidi Deeg vom Museumsverein des Deutschordensmuseum regte die Restaurierung an. Das Bürgerforum mit seinem Vorsitzenden beauftragte Norbert Eckert mit der Restaurierung. Die Geschichtswerkstatt mit ihrem Vorsitzenden Bittel recherchierte im Archiv die Gasthausgeschichte des "Goldenen Kreuzes".

 

Das Bürgerforum Stadtbild Bad Mergentheim übernimmt die Kosten für die Restaurierung des Wirtshausauslegers zum "Goldenen Kreuz". Das Gasthaus wurde noch in der Ordenszeit so benannt. Im Medaillon ist ein Kreuz in den Umrissen des Deutschordenskreuzes angebracht.

Nach der Restaurierung wird der Wirtshausausleger wieder an dem Eckhaus Mühlwehrstraße/Marktplatz angebracht.

4. Dezember 2019

 

 

 

Die Wandelhalle ist ein Baudenkmal von besonderer Bedeutung Vortrag im „Forum in der Au“ - Peter Huber stellt die Einzigartigkeit heraus

 

Der Vorsitzende des Bürgerforums Stadtbild, Wolfram Klingert (links), dankte dem Referenten Peter Huber für den gelungenen und überaus informativen Vortrag.

 

Das „Bürgerforum Stadtbild Bad Mergentheim“ ist der Ansicht, dass die Kurpark-Architektur mehr Beachtung verdient, gerade mit Blick auf geplante Baumaßnahmen. Die Wandelhalle hat dabei eine ganz besondere Bedeutung.

 

Fränkische Nachrichten 25. November 2019

Von unserem Mitarbeiter
Hans-Peter Kuhnhäuser

 

Bad Mergentheim. Einen profunden Kenner der Materie fand das Bürgerforum Stadtbild in Peter Huber. Der studierte Architektur in München und Denkmalpflege in Bamberg. Huber ist Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes in Esslingen und dort für die Bestandsaufnahme von Baudenkmalen zuständig. Am Donnerstagabend sprach er im „Forum in der Au“ auf Einladung des Bürgerforums Stadtbild über „Die Wandelhalle, ein Denkmal von besonderer Bedeutung“.

 

Man muss weder Architekt noch Experte für Baudenkmäler sein, um festzustellen, dass die Wandelhalle ein Hingucker ist. Sie fällt auf, ja hebt sich heraus. Gleichzeitig harmoniert sie mit der gesamten Kurpark-Architektur, der sie dabei ein eigenes Gesicht gibt. Grund genug, sich näher mit diesem besonderen Gebäude auseinanderzusetzen. Dass es dazu viel zu sagen gibt, machte Huber mit und an zahlreichen Beispielen deutlich.

 

Zunächst gab er anhand einer Flurkarte von 1833 einen Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung der Kur und des Kurparks. Nach der Entdeckung der ersten Heilquelle 1826 wurde 1829 das Brunnen- und das Badehaus errichtet. Vier Jahre später wurden die Gebäude erweitert und der Park angelegt. Eine Flurkarte von 1897 belegt den Ausbau im späten 19. Jahrhundert zu einer mittelsymmetrischen Anlage mit radialem Kurpark. Verbunden damit war der Anstieg der Kurgäste – bis zum 1. Weltkrieg waren es 4000.

 

Im 20. Jahrhundert gelang bis 1929 ein weiteres Wachstum; die Kurgastzahl verfierfachte sich auf 16000 im Jahr.  Schon 1921 wurde im Süden des Parks der Bonatz-Bau errichtet, 1927/8 entstand der Neubau des Kursaales im Westen; die Architekten waren Eisenlohr und Pfennig. Im Süden entstand der Trinktempel über der Albert-Quelle und der Wandelgang mit Ladenstraße. 1931 schließlich gab es einen Wettbewerb über die Neugestaltung des Kurareals inklusive Hotel im Norden. Sieger wurde Eduard Krüger. 1934/5 wurden die Wandelhalle mit Brunnenhäusern und der Integration des vorhandenen Wandelganges sowie die Konzertmuschel neu gebaut Die Wandelhalle fand Beachtung;  die Monatszeitschrift „Moderne Bauformen“ nahm das Bauwerk in ihrer Dezemberausgabe von 1936 auf die Titelseite, und im Folgejahr widmete auch die „Deutsche Bauzeitung“ dem Bauwerk viel Raum.

 

Was ist nun das Besondere an der Wandelhalle? Huber gab darauf mehrere, gleichwohl eindeutige Antworten. Zunächst einmal ist das Gebäude nicht im zeittypischen Nazi-Monumentalstil gebaut, sondern erfülle alle Forderungen nach „Luft, Licht und Sonne“. Die Wandelhalle ist ein Zeugnis für den Architektur-Reformstil, der Helligkeit im Innern und Offenheit nach Außen eine große Bedeutung zuwies. Und das mache die Wandelhalle  zu einem „Baudenkmal von herausragender Bedeutung“. Interessant dabei waren  Aufnahmen, die belegen, dass ursprünglich im Inneren Bäume fest in Pflanzbeeten im Boden standen. Der Umbau von 1991 gab der Wandelhalle eine Fußbodenheizung und eine neue Lüftungsanlage;  im Inneren wurden unter anderem neue Lampen angebracht. Anhand einer Lageskizze (Zeitpunkt nach dem Wandelhallen-Umbau von 1991) und Fotos zeigte Huber die Veränderungen in den Grundrissen der ehemaligen Geschäfte in der Laubenganzone und die Nutzungsänderung in den Quellenhäusern auf.

 

Die Grundlagen des Denkmalschutzes erläuterte der Referent  mit Verweis auf die Paragraphen 2 und 12 des Landesdenkmalschutzgesetzes. Demnach sind  Kulturdenkmale „Sachen, Sachgesamtheiten und Teile von Sachen, an deren Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht“. Und weiter: „Kulturdenkmale von besonderer Bedeutung genießen zusätzlichen Schutz durch Eintragung in das Denkmalbuch.“ Doch auch aus wissenschaftlicher Sicht biete, wie Huber erläuterte, die Wandelhalle und das gesamte Gebäudeensemble gegenüber des ehemaligen Karlsbades viele interessante Aspekte: Der Park und die Architektur seien „ein Zeugnis für den Wissensstand einer Epoche und darüber hinaus für das Kurwesen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts“. Somit bestehe auch ein konkretes Forschungsinteresse durch das Welterbe-Bündnis „Great Spas of Europe“ (Große Heilbäder in Europa). Heimatgeschichtlich verdeutlichen die Wandelhalle und die umliegenden Gebäude die Entwicklung der Stadt zum Kurort im 19. und 20. Jahrhundert. Im Bewusstsein der Bevölkerung sei das Kurbad ein Identifikationsort und stelle den Bezug zur Vergangenheit des Kurortes her.

 

Künstlerisch gesehen sei die Wandelhalle „ein Schlüsselwerk des Architekten Eduard Krüger“; zudem eine „Anlage mit Symbolgehalt“, der sich in Besprechungen in diversen Publikationen widerspiegele. Darüber hinaus handele es sich, wie Huber hervorhob, um eine „gestalterisch anspruchsvolle Anlage“ mit einer „gelungenen Entsprechung in Form und Funktion“, wobei die Forderung nach Licht und Sonne mit einer „offenen Architektur“ erfüllt wurde.
Der Anspruch des „besonderen Denkmalwertes“ sei durch das „hohe Maß an Originalität und Integrität“ erfüllt; die gestalterisch prägenden Bestandteile, also das äußere  Erscheinungsbild und die Innenraumgestaltung, seien zudem „äußerst gut überliefert“. Das belegte der Referent mit verschiedenen alten und neuen Aufnahmen – Außen- und Innenansichten, Laubengang-Dach, Regenrinnen und auch Details der Türgriffe.

 

Kurzum: Das von Eduard Krüger geplante Wandelhallen-Ensemble „ist deutschlandweit in der Gestaltung einzigartig“, betonte Huber.
Der Referentbelegte diese Aussage - auch für Nicht-Architekten und Denkmalpfleger leicht nachvollziehbar - mit diversen Fotos von Trink- und Wandelhallen zahlreicher Kurorte. So zum Beispiel die 1933/4 gebaute Trinkhalle in Bad Wildbad; dem im niedersächsischen Bad Pyrmont 1923/4gebauten Hylligen Born“ und der dortigen Wandelhalle oder auch dem ebenfalls in Niedersachsen in Bad Nenndorf von 1935-38 erbauten Wincklerbad sowie den 1933/4 bzw.1935-38 erbauten Trink- und Wandelhallen im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr und der 1928/9 im sächsischen Bad Elster errichteten Trink und Wandelhalle. Die Leichtigkeit und Offenheit der Bad Mergentheimer Wandelhalle steht diesen Gebäuden klar entgegen.